Wie lebt man anderswo? (1959)

Eine Umschau in fünf europäischen Ländern (Deutschland, 1959)

bis 22:10
Dokumentation
  • Schwarz-weiß Sendung
  • 20250516210000
VPS 21:00

Übersicht

Was verdient Ende der 50er-Jahre ein Arbeiter in den großen Städten Europas? Und wie viel junge weibliche Angestellte in diesen Metropolen? Antworten auf diese Fragen gibt der Film von Horst Dallmayr aus dem Jahr 1959. Der Arbeiter in London verdiente damals sehr viel mehr als z. B. der in Mailand oder München.
Aber wie sah diese Arbeit konkret aus? Konnte man sich von dem Geld nur ein Zimmer, eine Wohnung oder gar ein kleines Häuschen leisten? Was machten die Menschen in Ihrer Freizeit?

Themen

    Details

    Vor genau 60 Jahren bemühte sich Horst Dallmayr im Auftrag des Bayerischen Rundfunks und unter Mitarbeit der jeweiligen Rundfunkanstalten in den anderen Ländern um einen Vergleich: Was verdient ein normaler Arbeiter - verheiratet, mindestens zwei Kinder - in London und was in anderen großen Städten Europas wie Paris, Zürich, Mailand und München? Und wie leben junge meist ledige weibliche Angestellte in diesen Metropolen? Während einer Busfahrt mit der Protagonistin Michelle durch die Prachtstraßen von Paris, nach London der zweiten Station bei diesem Städtevergleich, erklärt der Filmautor aus dem Off das ganze Vorhaben noch einmal explizit: „Wie lebt man anderswo? Wäre die Fragestellung rein statistisch gemeint, sie wäre schnell am Ende mit ihrem Latein. Doch wäre der Lebensstandard anderswo auch drei Mal so hoch, keine Maus kröche aus ihrem Pariser Loch, um in dem fremden Palast feist zu verkümmern. Nein, die Frage zielt auf den Lebensstil, Michelle in Paris lebt anders als Christine in London: Wie lebt sie?“ Gezeigt werden die Arbeitsplätze der Arbeiter mitsamt den Maschinen, Drehbänken, Gießereien usw. und die Schreibtische mitsamt Schreibmaschinen(!) bei den Zeitungen, Illustrierten und Modezeitschriften, bei denen diese jungen Frauen arbeiten. Man kann sich heute kaum mehr vorstellen, dass der Londoner Arbeiter damals fast doppelt so viel verdiente wie der Münchner, umgerechnet nämlich gut 900 Mark, und er sich daher am Stadtrand von London ein Reihenhaus kaufen konnte, für das er im Monat lediglich 110 Mark an Raten für den Kredit hinlegen musste. Der Arbeiter Gottlieb Schmid in Zürich ist Hobler an einer Fräsmaschine, er verdient als „hoch qualifizierter Spezialist ein wenig mehr als der Durchschnitt der schweizer Metallarbeiter, nämlich runde 1000 Franken pro Monat.“ Damit trägt er von den fünf beschriebenen Arbeitern „die dickste Gehaltstüte heim“. Er wohnt in Kloten, einem Dorf vor Zürich, ist verheiratet, hat drei Kinder und bestellt da aus der Landwirtschaft stammend in seiner Freizeit einen schönen Bauerngarten. Am Sonntagmorgen geht er zum Armbrustschützenverein. Eine moderne Armbrust mit Zielfernrohr kostete damals runde 700 Franken. Ursula in München arbeitet bei einer Illustrierten. In ihrer Mittagspause nimmt sie Fahrstunden, weil sie den Führerschein machen möchte. Herrlich dabei z. B. die Fahrt mit der Fahrschülerin Ursula durch die damals noch fast leere Leopoldstraße in München. Der Münchner Arbeiter Rudolf Biller ist qualifizierter Arbeiter in einer Lokomotivfabrik und verdient rund 525 Mark, von denen ihm nach allen Abzügen rund 435 Mark bleiben. Er hat zwei Kinder und keine werkseigene Wohnung, d. h. er zahlt 90 Mark Miete im Monat. Seine Frau verdient als Kellnerin an drei Abenden in der Woche dazu. Dennoch besitzt diese Familie im Jahr 1959 weder Fernsehapparat, noch Kühlschrank noch Auto! Der Kommentator meint dazu: „Wobei hinzuzufügen ist, dass sie keines von den dreien vermisst.“ Herrlich wiederum der unverfälschte bayerische Dialekt, in dem sich dieser Münchner Arbeiter mit seinen Kindern unterhält. Im Bierzelt sieht man den Familienvater nebst den zwei Buben den Maßkrug heben, seine Frau ist die Bedienung.Damals, vor 60 Jahren, war das alles ein Aufbruch in ein friedliches und sich immer mehr vernetzendes und vereinigendes Europa. Der Kommentar meint am Ende, dass hier in diesen westlichen Ländern die Arbeit nach all den Kämpfen schön sei und dass man ihr in Freiheit nachgehen könne. Die Blockkonfrontation in der damaligen Zeit spricht also auch aus diesem Filmdokument. Die Musik, die ansonsten im Hintergrund dieses Films zu hören ist, ist hingegen wirklich schön und stammt tatsächlich u.a. von Georges Brassens und Domenico Modugno.

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