Interview Wolke Hegenbarth – „Angst ist kein Zustand, der mich oft begleitet“

Sie traut sich etwas: Nicht nur Turmspringen und unförmige Hauptrollen, sondern auch einen einmonatigen Hilfseinsatz auf einem Mercy Ship vor der Küste Guineas. Im Interview erklärt Wolke Hegenbarth ihre Motivation und wie sie Spaß mit Engagement verbindet.

Wolke Hegenbarth

Foto: Thomas Leidig

TVinfo: Frau Hegenbarth, Sie haben kürzlich für fast einen Monat auf einem großen Hospitalschiff angeheuert, das die Ärmsten der Armen in Westafrika medizinisch versorgt. Warum?

Wolke Hegenbarth: Um zurückzugeben. Ich habe das Gefühl bis jetzt sehr viel Gutes in meinem Leben erfahren zu haben. Dafür bin ich sehr dankbar. Gleichzeitig gibt es sehr viele Orte auf dieser Welt, wo man sich nicht kreativ verwirklichen kann- hier geht es nur ums nackte Überleben. Um mit diesem Teil der Welt und damit auch diesem Teil in mir in Verbindung zu bleiben, habe ich mich nach einem sehr arbeitsreichen 2012 zu dieser Auszeit auf der „Africa Mercy Ships“ entschieden. Und ich kann sagen, dass es ein tolles Gefühl war, etwas handfestes tun zu können und die Ärzte und Schwestern bei ihrem ehrenamtlichen Einsatz in Guinea zu unterstützen!

TVinfo: In ihrem sehr persönlichen Reisebericht erzählen Sie von Ihren Erfahrungen an Bord und vor allem von den Menschen, die Sie getroffen haben. Hatten Sie Angst?

Wolke Hegenbarth: Nein. Angst ist kein Zustand der mich oft begleitet. Ich gehe offen und voller Vorfreude in die Welt. So auch in dieses Abenteuer. Ich freue mich auf die Fremde, das Land und dessen Menschen. Für mich gibt es nichts Schöneres im Leben als Reisen. Auch wenn die Africa Mercy keinesfalls ein klassisches Urlaubsziel ist. So ist es umso mehr ein Ziel, dass sich zu 100% lohnt und mein Leben in der besten möglichen Weise beeinflusst hat.

TVinfo: Sie sind für Ihr Engagement mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden und haben den Deutschen Comedypreis gewonnen? Wie passt das zusammen?

Wolke Hegenbarth: Sehr gut! Das eine ist meine Arbeit- hauptsachlich Komödien. Das andere ist mein Privatleben. Spaß und Engagement schließen sich nicht aus. Im Gegenteil. Ich hatte immer das Gefühl, beides harmonisch verbinden zu können. Und als Ausgleich zu der oft oberflächlichen, kurzweiligen Medienwelt kann ich mir nichts Besseres vorstellen. Mit 19 ging ich das erste Mal nach Afrika. Und blieb. Im Herzen hat sich dieser Kontinent bei mir verewigt und damit auch dessen Konflikte und Probleme. Ein Augenmerk auch auf andere Aspekte in Leben zu lenken sehe ich als Teil meiner Aufgabe als öffentliche Person.

TVinfo: Sind Künstler einfach empathischer als der Durchschnitt?

Wolke Hegenbarth: Nein, das glaube ich nicht. Ich habe nur eher die Möglichkeit, an tollen Projekten teilzunehmen.

TVinfo: Sie sind in der Nähe von Düsseldorf geboren worden, haben in Köln gewohnt und leben jetzt in Berlin. Wo lässt sich am besten Fahrrad fahren?

Wolke Hegenbarth: In Köln. Aber da habe ich auch die meiste Erfahrung. Berlin ist manchmal etwas zu groß für mein kleines Rad. Aber grundsätzlich ist ein Fahrrad das beste Verkehrsmittel in einer Stadt.

TVinfo: Haben Sie einen Geheimtipp für die schönste Fahrradstrecke?

Wolke Hegenbarth: Nein. Aber ich bin immer gerne in Köln am Rhein entlang gefahren. Vom Schokoladenmuseum bis zur Bastei. Am Wasser ist es für mich immer am Schönsten.

TVinfo: In diesen Tagen feiert ein Kinofilm mit Ihnen in der weiblichen Hauptrolle Premiere, dessen Geschichte ursprünglich als Webserie begonnen hat. Übernimmt das Internet jetzt die Führungsrolle?

Wolke Hegenbarth: Erst muss ich klarstellen, dass ich nur einen Cameo hatte. Einen kurzen Gastauftritt. Aber ich finde das Projekt und die Jungs von „Sex and Zaziki“ super. Selbst Dinge zu produzieren und dem Zuschauer die Wahl zu überlassen ist sehr modern und hat gut funktioniert. Ich freue mich über ihren Erfolg, der ein großes Engagement belohnt.

TVinfo: Und noch drei Entscheidungsfragen: "Landliebe" oder "Sex in the City"?

Wolke Hegenbarth: Privat: Sex in the City. Wobei ich die Serie nie gesehen habe...

TVinfo: Gedruckte Bücher oder eBooks?

Wolke Hegenbarth: Noch Bücher. Ich lungere aber schon länger im Netz rum und spiele mit dem Gedanken eines eBooks…es ist für Reisen einfach wahnsinnig praktisch!

TVinfo: Smartphone oder Tablett?

Wolke Hegenbarth: Beides! Smartphone für den mobilen Alltag. Tablett zur Recherche und für Drehbücher auf Reisen lesen und Texte lernen.

TVinfo: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führten Markus Pins und Michael Schanz.

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